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Der bethörte Förster
Bechstein im Erfurter Gedenkbuch der vierten Säcular- Jubelfeier der Erfindung der Buchdruckerkunft. Erfurt 1840. S. 145 f.
Vor Jahren ging der Förster von Dörnfeld mit seinem Kreisser am frühen Morgen in der Dämmerung durch die Waldung am Singerberg. Im Gehölz unter der Felswand blieb der Förster stehen, um nach einem Raubvogel, der den Bergscheitel umkreisste zu schiessen, und sagte dem Kreisser, er möge nur einstweilen vorangehen, er werde bald nachkommen. Als dieser eine gute Strecke gegangen ist, bleibt er stehen und sieht sich nach dem Förster um. Da dieser nicht kommt, stopft er sich eine Pfeife Taback und wartet noch ein wenig, doch jener bleibt aus und der Kreisser meint von Ferne ein ängstliches Rufen und Schreien zu hören. Da es anhält, ruft er gleichfalls und jenes Geschrei scheint sich zu verdoppeln. Nun geht er zurück und dem Rufe nach, der bald daher, bald dorther erschallt, und erst nach einer guten halben Stunde findet er den Förster an dem Felsen stehen und ängstlich um Hilfe rufen, denn dieser weiss nicht mehr, wo er ist, hat Weg und Steg verloren und kann sich in dem sonst so wohl bekannten Walde nicht zurecht finden, Felsenmauern scheinen ringsherum den Pfad zu sperren. Der Kreisser fasst den Förster und dreht ihn herum, da sieht jener den Weg und kommt zu sich. Er hatte auf das Irrkraut getreten, das im Walde des Singerberges wächst, und konnte sich erst dann zurecht finden, als der Kreisser ihn umgedreht hatte. Bestürzt kehrte er heim, die Jagdlust aber war ihm für diesen Tag ganz vergangen.
Quellen:
- Dr. August Witzschel: Sagen aus Thüringen. Meersburg und Leipzig 1930
