<<< zurück | Sagen aus Thüringen - Geschichtliche Sagen | weiter >>>
Elisabeth's Rosen
Gereimtes Leben der heil. Elisabeth b. Menken II, 2067
Der Landgraf war in der Stadt Eisenach gewesen und ging wieder zurück nach der Wartburg. Unterwegs sah er die heilige Elisabeth mit einer ihrer liebsten Jungfrauen stehen; beide kamen von der Burg herab mit allerlei Speisen und Nahrungsmitteln fast sehr beladen, die sie in Krügen und Körben unter ihren Mänteln mit sich trugen und den Armen bringen wollten, die ihrer unten im Thale harrten. Der Landgraf hatte das alles wohl bemerkt und sprach, indem er ihnen die Mäntel zugleich zurückschlug: „lasset sehen, was ihr da traget!“ Dabei wurden aber die Speisen alsbald zu Rosen. Die heilige Elisabeth war darüber so heftig erschrocken, dass sie ihrem Gemahl auf seine Frage und Rede nichts zu sagen vermochte.
Dem Landgrafen that der Schrecken, den er seiner lieben Elisabeth verursacht hatte, gar leid und schon wollte er freundlich und mit guten Worten ihr zusprechen, als ihm auf ihrem Haupte ein Bild des gekreuzigten Heilands als ein Kopfschmuck erschien, den er vorher nie gesehen hatte. Da wollte er die heilige Elisabeth nicht länger aufhalten; er liess sie ihren Weg gehen und den Armen und Kranken nach ihrem Gefallen Gutes thun und ging weiter nach der Wartburg. Am Wege, nahe unter dem Kniebrechen, wie die Leute sagen, stand ein Baum, in den ein Kreuz gehauen war. Dieser wurde später umgehauen und zum Zeichen und ewigen Gedächtniss an jenes hohe Wunder an die Stelle, wo es geschehen, ein steinernes Bild gesetzt.
Quellen:
- Dr. August Witzschel: Sagen aus Thüringen. Meersburg und Leipzig 1930
