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Elisabeth als Kind
Gerstenberger thür. heff. Chronik in Schminke's Monim. Hass. I, 290. II, 297
Schon in ihren ersten Kindtagen gab die auserwählte Elisabeth Zeichen der zukünftigen Heiligkeit. Denn wenn sie in die Kirche kam, so kniete sie nieder mit gefalteten Händen und aufgerichteten Augen, zum Himmel aber stand ihr Gedanke und sie küsste den Boden vor den Altären. Auch im Spiele mit ihren Jungfrauen und andern Mädchen lief sie mit Sprüngen hin zur Kapelle und wenn sie nicht hinein kommen konnte, küsste sie die Wände und Thüren daran und erwiess ihnen Ehre. Gewann sie etwas in dem Kinderspiele, so gab sie einen Theil davon den armen Kindern, um dieselben anzureizen das Pater noster und Ave Maria zu lernen. Wenn das Spiel am besten war, sprach sie: „ich will nun aufhören durch Gottes Willen,“ und ward sie zu dem Tanz gezogen, so ging sie einen Tanz herum, die andern liess sie. „Ein Umgang,“ sagte sie „ist genug für die Welt, darum will ich die andern um Gottes Willen lassen.“ Auch erkannte sie, dass Gott nicht durch die Schönheit der Kleider, sondern durch ein demüthiges Herz geehrt werde. Darum zog sie des Sonntags oder an andern heiligen Feiertagen etwas ab von dem Schmuck oder Zierrath ihrer Kleider und trug des Vormittags keine Handschuhe oder Aermel.
Quellen:
- Dr. August Witzschel: Sagen aus Thüringen. Meersburg und Leipzig 1930
