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‘s Eaßen ist der Moaster! ‘s Trinkan ist nix!
Eine schriftliche Überlieferung vom Heuberg
Dieses Sprichwort, auf dem Heuberg gang und gäbe, wird von folgender Begebenheit abgeleitet: Die Obernheimer hatten einst mit den Wehingern einen Prozess und begaben sich, um den Streit zu beenden, nach Wehingen. Schon morgens um acht Uhr hatten sie sich hier versammelt, obwohl die Verhandlungen erst des Nachmittags um zwei Uhr beginnen sollten, und hielten sich während der Zeit in den Wirtshäusern auf. Da verzehrte der eine die Portion Käse, die er mitgenommen, der andere seine Knackwürste (Schüblinge), die er eingesteckt, und so ein jeder, was er eben hatte. Alsbald gesellten sich auch zu ihnen die beim Prozess beteiligten Wehinger, welche in demselben Maße tranken, wie die Obernheimer aßen. Als nun nachmittags um zwei Uhr beide Teile auf dem Wehinger Rathaus erschienem und die streitige Sache besprachen, so willigten die trunkenen Wehinger alsbald in alle Forderungen der Obernheimer, worauf die Letzteren die Redensart aufbrachten und verbreiteten: »’s Eaßen ist der Moaster! ‘s Trinkan ist nix!«
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
