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sagen:sagenschwaben395

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Das Hündchen von Bretten

  Eine mündliche Überlieferung aus Bretten

An einer Kirche zu Bretten ist ein Hündchen ohne Schwanz in Stein abgebildet. Wenn nun jemand in einem Streit den Kür­zeren zieht, einen Prozess verliert und dergleichen, so pflegt man von ihm zu sagen: »Er kommt daher, wie das Hündchen zu Bretten.« Über den Ursprung des steinernen Hündchens und dieses Sprichwortes erzählt man sich Folgendes: Einst hatten Feinde schon lange das Städtchen Bretten belagert und wollten es aushungern. In der äußersten Not legten die Bürger fast ihre letzten Lebensmittel zusammen und mästeten damit ein Hündchen. Als dies sich erholt hatte und recht rund und voll war, ließen sie es zum Stadttor hinaus ins feindliche Lager laufen. Sobald die Feinde das fette Hündchen sahen, dachten sie: Haben sie den noch so füttern können, so müssen sie selbst wohl noch viel zu beißen haben. Sie gaben ärgerlich die Belagerung auf und zogen ab. Zuvor aber hieben sie dem Hündlein den Schwanz ab und schickten ihn so verstümmelt wieder zurück. Zum Dank für die guten Dienste ließen die Brettener Bürger jenen Hund in Stein hauen und anfangs auf das Stadt­tor, später außen an die Laurentikirche setzen.

Andere erzählen die Geschichte so: Ein Wirt habe seinen Hund immer mit einem Korb zu einem Metzger geschickt, um Fleisch und Würste zu holen, und der Hund habe alles immer gut heimge­bracht. Da habe der Metzger einmal aus Mutwillen dem Hund den Schwanz abgeschnitten und diesen zu den Würsten in den Korb gelegt hatte, sodass der Hund seinen eigenen abgeschnittenen Schwanz habe heimtragen müssen. Der Herr aber habe dem treuen Hund ein Denkmal errichtet.

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852


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