<<< vorherige Sage | Kapitel 13 | nächste Sage >>>
Ein köstliches Wort des Herzogs Eberhard I.
Nachdem Eberhard im Bart auf dem Reichstag zu Worms 1495 vom Kaiser Maximilian I, mit der Herzogswürde belehnt worden war, wurde er auf einen Abend nebst anderen Fürsten von den Herzögen zu Sachsen zu einem Mahl geladen. Während der Unterhaltung kam man auf die Vorzüge der verschiedenen Länder zu sprechen, wobei ein jeder das seine herausstrich. Die von Sachsen rühmten ihre Silbergruben, der Pfalzgraf seine köstlichen Weine, die Herzöge von Bayern ihre schönen Städte.
Eberhard von Württemberg hörte stillschweigend zu. Als er darauf aber vom Herzog Albrecht von Sachsen angelassen wurde, dass er gleichfalls etwas von seinem Land reden und hervorheben möge, so sagte er ganz bescheiden: »Ich weiß gar wohl, dass die Länder Euer Liebden alle weit größer und ansehnlicher sind als das meine. Darüber kann ich weder streiten noch diesen Vorzug in Zweifel ziehen. Doch danke ich Gott für das meine und mag dabei dieses mit Grund der Wahrheit sagen, dass ich mitten im Sommer auf dem freien Feld im Schoß eines jeglichen meiner Untertanen sicher ruhen und schlafen könnte.«
Dieses Kleinod des Württembergers schien aber allen anwesenden Fürsten dergestalt köstlich und beneidenswert zu sein, dass sie es allen ihren Schätzen und gepriesenen Vorteilen vorzogen.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
