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Die Schalksburg
Eine mündliche Überlieferung aus Lautlingen
Es waren einmal drei Brüder, die hatten drei Schlösser auf der Alb, der eine auf dem Hohenzollern, der andere auf dem Hirschberg und der Dritte besaß die Schalksburg. Dieser Letztgenannte spielte seinen Brüdern manchen Streich, weshalb er von ihnen den Zunamen der Schalk erhielt. So war er zum Beispiel einstmals krank und ließ das Gerücht verbreiten, er sei gestorben. Darauf eilten die beiden Brüder sogleich herbei und wollten, weil der Schalk keine Kinder hatte, sich in die Erbschaft teilen, gerieten aber darüber alsbald in heftigen Streit. Nach der Krankheit, dem Ende und der Leiche ihres Bruders fragten sie nicht, bezeigten auch durchaus keine Trauer über sein Ableben.
Während sie nun eben ganz erhitzt und ernstlich sich zankten, trat der Schalk, der sich bis dahin versteckt gehalten hatte, in ihre Mitte und sprach: »Jetzt kenne ich doch eure Gesinnung.« Er verkaufte danach heimlich seine Burg mitsamt der Stadt Balingen im Falle seines Todes an Württemberg um einen einzigen schlechten Hirschgulden.
Im verfallenen Turm der Schalksburg soll noch ein schwarzer Pudel auf einer Kiste sitzen, die mit Schätzen angefüllt ist.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
