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Graf Johannes von Würtemberg
(um 1100)
Am Hof des schwäbischen Herzogs Friedrich lebte der Sage nach ein junger Graf Johannes von Würtemberg und war sehr beliebt und in Ehren gehalten. Diesen schickte der Herzog nach Stuttgart, woselbst Rudolf, Markgraf von Baden, einen Weiler (Stutengarten) hatte. Graf Johannes sollte dort um Maria, die einzige Tochter des Markgrafen, für den ältesten Sohn des Herzogs werben. Da fragte ihn der Markgraf, warum er die Braut nicht für sich begehre. Wenn er um sie freien wolle, solle sie sein werden, wenn nicht, so werde er sie dem Sohn des Herzogs geben.
Darauf sagte der Würtemberger, dass er nicht für sich, sondern für seines Herren Sohn abgeschickt worden sei.
Als aber Johannes den Erfolg seiner Sendung dem Herzog Friedrich berichtete, sagte dieser: »Nun wohlan, mein Lieber und Getreuer, weil das Glück dir günstig ist, nimm es an! Weder ich, noch mein Sohn wollen dir entgegen sein!«
Auf diese Art erhielt Johannes von Würtemberg des Markgrafen von Baden Tochter und Stuttgart zur Mitgift. Er zeugte mit ihr zwei Söhne, Ludwig und Emich.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
