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sagen:sagenschwaben376

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Die Glocke auf Wunnenstein

Der Ritter Stein von Wunnenstein war ins heilige Land gezogen, um wider die Ungläubigen zu streiten, und hatte den Bau einer Kirche auf seiner väterlichen Burg gelobt, wenn er siegreich sein werde. Seine Waffen waren glücklich, und als er endlich nach Jahren heimkehrte, vollführte er sein Gelübde, erbaute eine Kirche und weihte sie dem heiligen Michael. Eine mächtige Glocke hing auf dem Turm und zeigte bald ihre schützende Kraft; denn es traf jetzt die ganze Markung kein Hagel und kein Wetterschlag mehr. Deshalb suchten die Heilbronner sie zu bekommen und kauften sie endlich den Stiftsdamen von Oberstenfeld, denen eine Zeit lang die Kirche gehörte, für große Summen ab.

In allen umliegenden Gemeinden war tiefe Trauer, als die Heilbronner die Glocke mit Jubel fortführten, sie auf den Turm der Hauptkirche brachten und sie einsegneten. Wie man aber das erste Geläut versuchte, war sie stumm und gab keinen Ton von sich. Zwar ließ man Geisterbanner kommen, betete und sang, aber umsonst. Da fürchtete man die Strafe des Himmels und brachte schnell die Glocke an ihre alte Stätte zurück. Unterwegs nahm sie ein Landmann auf seinen Wagen. Obwohl sie sehr schwer war, zogen sie doch zwei Stiere rasch den steilen Berg hinauf, während die Städter sie kaum mit zwölf Pferden von der Stelle gebracht hatten. Als sie wieder auf dem Turm hing und das Volk den hellen Klang vernahm, fiel es auf die Knie nieder und dankte Gott für solche Gnade.

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852


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