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sagen:sagenschwaben368

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Die erste Stiftung des Klosters Hirschau durch Helizena

Im Jahre 645 lebte eine reiche fromme Witwe aus dem Geschlecht der Edelknechte von Kalw, die betete alle Tage zu Gott, weil er ihr keine Kinder bescherte, ihr doch zu offenbaren, wie sie ihre Güter auf eine ihm wohlgefällige Weise verwenden sollte. Da schien es ihr einst bei Nacht, als ob sie eine Stimme hörte, die ihr zurief: »Helizena, gib acht! Dein Gebet ist erhört worden. Und dessen zum gewissen Zeichen sieh hier dies ebene Feld, darauf drei Fichtenbäume stehen, die aus einem Stamm gewachsen sind. Da sollst du zur Ehre Gottes eine Kirche bauen!«

Als sie aus dem Schlaf erwachte, wusste sie sich dessen, was sie gesehen und gehört hatte, so gut zu erinnern, als ob sie gewacht hätte, und sah es gleichsam alles klar vor Augen, obwohl sie vordem niemals dahin gekommen war. Doch sagte sie von der ganzen Sache keinem Menschen etwas, sondern legte am anderen Morgen, als es Tag geworden war, ein kostbares Festkleid an und ging in Begleitung von zwei Dienern und einer Magd ins Freie, als ob sie spazieren gehen wollte, und wandte sich in ein Tal hinab, ihren Gütern zu. Danach stieg sie auf einen Berg. Auf diesem erblickte sie von fern die Ebene, die ihr im Schlaf erschienen war. Sogleich eilte sie dieser Gegend zu und fand auf dem anmutigen flachen Feld drei schöne Fichtenbäume auf einem Stamm. Da fiel sie nieder auf die Erde, weinte herzlich vor großer Freude und legte ihr Kleid zu den Bäumen hin, um damit anzuzeigen, dass sie an diesem Ort zur Ehre Gottes all ihr Vermögen anlegen wolle.

In drei Jahren war auch die Kirche glücklich vollendet; jedoch ehe sie eingeweiht werden konnte, starb Helizena und wurde zu Tübingen begraben.

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852


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