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sagen:sagenschwaben366

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Die zwei Brüder auf der Burg Lichtenberg

Dem Wunnestein gegenüber, nahe bei Oberstenfeld, liegt auf dem Gipfel des Lichtenbergs die gleichnamige alte Burg Lichtenberg, um deren Besitz sich einst zwei Brüder gestritten haben sollen. Sie zogen gegeneinander ins Feld und bei dem Sauferhof vor der Burg kam es zur Schlacht. Da ließ der eine Bruder dem anderen sagen, er werde ihn Hungers sterben lassen, wenn er ihn in seine Gewalt bekomme.

Worauf der andere zur Antwort gab: »Und ich werde ihn verdursten lassen!«

Der Letztere siegte, nahm den Bruder gefangen, warf ihn ins Burgverlies und gab ihm, wie er gedroht hatte, nur trockenes Brot ohne alles Getränk. Der Gefangene aber stillte seinen Durst mit der Feuchtigkeit, die aus der steinernen Mauer schwitzte, sodass der Bruder nicht begreifen konnte, wodurch er so lange sein Leben er­halten mochte. Deshalb schickte er unter dem Vorwand des Nacht­mahls seinen Burgpfaffen zu dem Gefangenen hinab, und der wusste durch die Drohung der Absolutionsverweigerung ihm das Geheimnis zu entlocken, und hinterbrachte es seinem Herrn, worauf dieser das Gefängnis mit Brettern ausschlagen ließ.

Als nun der Eingekerkerte wirklich vor Durst starb und des Bruders Rachsucht befriedigt war, fühlte dieser Reue und heftige Gewissensbisse. Da ließ er den Burgpfaffen kommen, führte ihn auf die Zinne des Turms, warf ihn hinunter und stürzte sich selbst hinter ihm her.

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852


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