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sagen:sagenschwaben365

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Sankt Meinrads Raben

Der Graf Verthold im Sülchgau an der Donau war lange kinderlos und hatte gelobt, dass wenn ihn Gott mit einem Sohn beglücken würde, er denselben der Kirche weihen wolle. Da gebar ihm seine Gemahlin ein Söhnlein, das den Namen Meginhard oder Meinrad erhielt und im Kloster Reichenau seine geistliche Laufbahn antrat. Später entwich Meinrad in ein entferntes Alptal, baute sich daselbst eine Zelle und Kapelle, wodurch er den Grundstein zum berühmten Kloster und Wallfahrtsort Einsiedeln legte.

In dieser Einsiedelei wurde er im Jahre 861 am 21. Januar von zwei Mördern, welche Geld und Kostbarkeiten bei ihm zu finden hofften, umgebracht. Bevor er aber seinen Geist aufgab, flogen Raben über ihn hin, von denen der heilige Mann sagte, dass sie seinen Tod offenbaren würden. Die Mörder aber kümmerten sich wenig darum.

Als sie jedoch später einmal miteinander in Zürich vor einem Wirtshaus saßen und einige Raben vorbeiflogen, sagte der eine lächelnd zu seinem Kameraden: »Sieh, des Meinrads Raben!« Das hörte jemand, der vorüberging, und zeigte es dem Gericht an, worauf die beiden eingezogen und des Verbrechens als schuldig befunden und bestraft wurden. Daher entstand auch im Deutschen das Sprichwort: »Sankt Meinrads Raben«, d. h., kein Mord bleibt verschwiegen.

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852


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