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Die Graserin
Eine mündliche Überlieferung aus Rotenburg
Auf einem Feld zwischen Rotenburg und Wendelsheim, im sogenannten Geutscher, lässt sich an hohen Festtagen, namentlich am Pfingstsonntag, am Himmelfahrts- und Frohnleichnamfest während des Gottesdienstes eine Graserin sehen. Einmal taten sich acht Männer zusammen, umringten sie und wollten sie fangen. Als sie ihr aber ganz nahe gekommen waren, verschwand sie plötzlich, dass niemand wusste, wo sie geblieben war.
Ein anderes Mal gingen zwei beherzte Mädchen aus Wendelsheim auf sie zu und fragten, weshalb sie denn geistweis gehen und grasen müsse. Da sprang ihnen aber ein schwarzes, nur zwei Fuß langes Männlein mit einer Bickel in der Hand entgegen, dass sie erschraken und eilig nach Hause gingen.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
