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Sagen vom Michelsberg im Zadergäu 3.Sage
Am Fuß des Michelsbergs liegt das Dörfchen Neukleebronn und daneben drei oder vier Höfe, die vom Volk Tripstrill genannt, gewöhnlich aber Treffenstrill geschrieben werden. In alten Zeiten soll hier eine große Stadt gelegen haben. Sehr allgemein gebraucht man noch den Namen Tripstrill im Scherz, um einen vorwitzigen, zwecklosen Frager abzuweisen. Will ein solcher zum Beispiel wissen, wo man eine Sache gekauft, gehört, gesehen usw. und man nicht Lust hat, es zu gestehen, so sagt man: Zu Tripstrill, in der Pelzmühl, wo man die alten Weiber mühlt (mahlt).
Die Erinnerung an die Pelzmühle, in der die alten Weiber einen neuen Pelz, eine frische Haut bekommen können, hat sich wenigstens in dem dortigen Pelz- oder Balzhof noch erhalten. Auch entspringen zu Tripstrill auf einer Wiese so reiche Quellen, dass sie wohl eine Mühle treiben könnten, indem sie einen kleinen See bilden, jetzt aber nur zum Bleichen der Leinwand, nicht mehr zur Verjüngung der alten Weiber benutzt werden.
In dem nahen Tal liegt das Dorf Frauenzimmern, das eins der ältesten Nonnenklöster, Mariatal«, gehabt hat.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
