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sagen:sagenschwaben333

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Das fromme Bäuerlein

Ein Bauer Namens Fridolin Luib von Fulgenstadt ging gemeiniglich, wenn er den Tag über hart gearbeitet hatte, des Nachts noch von Fulgenstadt aus in die Kirche zu Ennetach, um daselbst seine Andacht zu verrichten. Sobald er dort ankam, öffneten sich ihm die Türen immer von selbst, und oftmals erschien ihm auch die Mntter Gottes und Christus als Hirte, um ihn zu trösten.

Einmal fand er auf seinem Weg das Wasser angeschwollen und zog deswegen einen Zaunstecken aus, um mithilfe demselben hin­durchzukommen. Als er aber dieses Mal zu der Kirche kam, fand er die Türen verschlossen. Er ahnte die Ursache, stellte den Zaunstecken wieder an seinen Ort und fand nun bei seiner Rückkehr die Kirche geöffnet.

Luib hatte ferner zwei Öchslein im Stall und hatte sie sehr lieb weil auch an der Krippe Jesu ein Öchslein gestanden hatte. Eines Abends fragte das eine Öchslein das andere: »Was werden wir morgen arbeiten?«

Da antwortete es: »Wir werden unseren Meister zu Grabe führen.«

Luib hörte dies, bereitete sich zum Tode und starb, und wurde in einem Sarg auf seinen Wagen geladen und den Öchslein überlassen, die ihn vor die Kirche nach Ennetach führten. Dort wurde er dann begraben und über seinem Grab nachher eine Kapelle erbaut, die dem frommen »Luibertus« oder dem »frommen Bäuerlein«, wie man ihn gewöhnlich nennt, geweiht ist.

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852


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