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sagen:sagenschwaben305

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Das unbezahlte Licht

  Eine schriftliche Überlieferung aus Grantschen

Vor etwa fünfzehn Jahren gingen zwei Sülzbacher Knechte von Grantschen nach Sülzbach und sahen unterwegs ein flammendes Licht. Da rief der eine dem Licht zu, es möge ihm leuchten!

Sogleich kam es auch daher und leuchtete. Davon hatte der eine, der etwas zu viel getrunken hatte, eine mäßige Helle, der andere aber, der nüchtern war, ein so blendendes Licht, dass er sich entsetzte und das Licht nur dadurch entfernte, dass er ihm einen Kreuzer ausbezahlte. Indes, weil es so sehr finster war, rief er es bald wieder herbei, worauf es ihm bis nach Sülzbach zündete. Als er aber hier dem Licht nichts bezahlte, bekam er von unsichtbaren Händen solche Ohrfeigen, dass er laut weinte wie ein Kind. Dem anderen Knecht geschah nichts. Auch hatte er nichts gesehen, wohl aber gehört, wie sein Kamerad war geschlagen worden.

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852


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