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sagen:sagenschwaben302

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Der Stotzenschläger

  Eine mündliche Überlieferung aus Gomaringen

Auf einer Wiese bei Gomaringen ließ sich das ganze Jahr ein Geist vernehmen, der Stotzen einschlug, daher man ihn nur den Stotzenschläger nannte. Einmal sah ein Mann in Gomaringen aus dem Fenster und rauchte eben aus einer irdenen Kölner Pfeife, als der Stotzenschläger wieder zu klopfen anfing.

»Der wird auch nicht müde«, rief der Mann seinem Nachbarn zu.

Patsch!, hatte er eine Ohrfeige, dass ihm die Pfeife aus dem Mund fiel und zerbrach. Seitdem hat er nie wieder über Geister gespottet.

Jetzt hört man den Stotzenschläger nicht mehr. Er muss erlöst sein wie die meisten Geister, von denen man früher, besonders in Gomaringen, so viel zu erzählen wusste. Da hörte man zum Beispiel immer um Weihnachten eine »Windelwäscherin«, die in der Wiesatz patschte und Windeln wusch. Ferner konnte man jede Nacht auf dem Landsbühl ein Weib jämmerlich schreien hören. Das war die »Landsbühl-Heulerin«, die wahrscheinlich ihr Kind dort vergraben hatte. Jetzt hört man nichts dergleichen mehr.

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852


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