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Donnersteine 1.Sage
Eine mündliche Überlieferung aus Derendingen
Bei jedem Blitz fährt ein Donnerstein oder Strahlstein herab, der alles zerschmettert, was er trifft und dann tief in die Erde eindringt. Sehr oft schlägt er gleich in die Erde, ohne vorher einen besondern Gegenstand zu treffen. Jeder Donnerstein aber kommt allmählich wieder in die Höhe. Er gebraucht dazu gerade sieben Jahre, sieben Tage und sieben Stunden und steigt dann bis an die Oberfläche der Erde; kommt aber von selbst nie ganz heraus, sondern nähert sich der Erdoberfläche nur so weit, »dass ein Hahn ihn herausscharren könnte.« Wenn man ihn dann nicht findet und nimmt, so geht er in die Erde zurück und erscheint darauf nicht wieder. Wer aber im Besitz eines solchen Donnersteins ist und ihn bei sich trägt, wird von keinem Blitz getroffen. Ebenso schützt er das Haus vor dem Wetter.
Wenn man ferner nur ein ganz feines Stückchen von diesem Stein abschlägt und sich dasselbe in die Hand unter die Haut steckt, dann mit der Hand jemanden schlägt oder nur berührt und dabei spricht »Treff dich der Strahl!«, so fällt der Getroffene augenblicklich tot zur Erde.
Der Stein ist dreieckig und läuft spitz zu. Auch an Bäumen und sonst, wo er eingeschlagen ist, kann man diese Form erkennen.
Wenn das Wetter irgendwo einschlägt, so schreibt man das häufig bei Tag und Stunde genau an und gräbt alsdann nach Verlauf der bestimmten Zeit an dem Ort, findet aber den Donnerstein sehr selten, und meist zufällig. Er sieht gräulich aus und ist äußerst hart. Ein Bauer in Dußlingen besitzt einen.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
