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sagen:sagenschwaben264b

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Wegwart 2.Sage

  Eine mündliche Überlieferung aus Mössingen

Die weißblühende Wegwartwurzel, die in der zwölften Stunde nachts oder auch mittags am Jakobitag mit einem Goldstück geschnitten werden muss, hat nicht bloß die Kraft, Dornen und dergleichen aus dem Fleisch zu treiben, sondern macht auch unsichtbar und stich- und kugelfest, wenn man ein Stück davon in der rechten Westentasche trägt. Ferner öffnet sie wie die Springwurzel alle Türen und Schlösser, wenn man sie dagegen hält. Es gehört aber Mut dazu, diese Wurzel abzuschneiden. Spricht man ein einziges Wort dabei, so ist man verloren. So sah einst ein Mann, als er eben die Wurzel einer solchen Wegwart schneiden wollte, einen Mühlstein über seinem Haupt herumlaufen, dass er schier sich entsetzte und davonlief, ohne die Zauberwurzel zu nehmen. Hätte er nur einen Laut von sich gegeben, so würde der Mühlstein ihn zerdrückt haben.

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852


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