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Im Mondschein soll man nicht arbeiten 3.Sage
Eine mündliche Überlieferung aus Derendingen, Pfullingen
Ein Mädchen aus Wankheim kam nachts aus einer Spinnstube heim, ohne dass sie ihr »Gesatz« gesponnen hatte, und blieb deshalb allein noch in ihrer Stube sitzen und spann im Mondschein. Da ging um 12 Uhr die Tür auf und es trat jemand herein, der ihr eine Menge Spindeln anbot, worauf sie ein solcher Schrecken ergriff, dass sie eiligst in ihre Kammer sprang und nachher ernstlich krank wurde.
Auch sonst ist es schon vorgekommen, dass einer Frau, die im Mondschein spann, ein Geist durchs Fenster einen Armvoll Spindeln in die Stube geworden hat.
Ein anderes Mädchen strickte noch um Mitternacht beim Mondschein, indem sie sich auf den Tisch gesetzt hatte. Da erschien eine Gestalt hinter dem Fenster, ohne jedoch hereinzukommen, und bot ihr Stricknadeln an, worauf sie schnell das Stricken einstellte.
Man hält es überhaupt für eine große Sünde, im Mondschein zu spinnen und zu stricken, als ob man am Tage nicht genug bekommen könne. Auch sagt man, der Mond scheine nicht deshalb so hell, dass man bei seinem Licht arbeiten solle, ohne eine Lampe anzuzünden. Wer es dennoch tut und zum Beispiel spinnt, der spinnt einem von seinen Angehörigen einen Strick an den Hals.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
