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Das steinerne Weib
Eine mündliche Überlieferung aus Wiesensteig
In Wiesensteig wurden ehedem viele Hexen verbrannt, was besonders eine vornehme Frau bewirkte, welche die Mädchen und Weiber des Ortes angab, sich selbst aber stets herauszulügen verstand. Da waren wieder einmal fast sämtliche Jungfrauen aus Wiesensteig als der Hexerei verdächtig in Untersuchung und sollten verurteilt werden, obwohl sie fortwährend ihre Unschuld beteuerten. Sie bewirkten jedoch so viel, dass man mit der Verbrennung zögerte und am folgenden Tag eine neue Untersuchung, die sie selbst gewünscht hatten, mit ihnen anstellen wollte. In der Nacht nun beteten diese Beschuldigten, dass der Himmel doch ein Zeichen ihrer Unschuld geben möge. Und da geschah es, dass das Weib, durch welches sie verdächtigt worden waren, als es eben auf der Berghöhe spazieren ging, in Stein verwandelt wurde. Das ist die riesige Gestalt des steinernen Weibes bei Wiesensteig. Die Figur ist einige zwanzig Fuß hoch. Sie setzt den rechten Fuß vorwärts, legt den rechten Arm.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
