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Die Hexen auf dem Heuberg bei Balingen
Auf dem Heuberg zwischen Balingen und Tuttlingen ist der Hauptzusammenkunftsplatz der Hexen. Es befindet sich hier bei dem Dorf Obernheim, auf dem sogenannten Burgbühl, einem einzeln stehenden Kegel, das »Hexenbäumle«, unter welchem sie ihre Tänze aufführen.
Schon Erusius in seiner schwäbischen Chronik, Band II, Seite 419 schreibt darüber: Nicht weit von Balingen ist der berühmte Berg, den man Heuberg nennt, und von welchen man vorgibt, dass die Hexen auf demselben zusammenkommen und ihre Teufelsspiele haben. Das ist gewiss, dass im Jahre 1589, im Herbst, etliche dergleichen Weiber und der fürnehmste Ratsherr zu Schömberg verbrannt worden, die alle bekannt haben, dass sie gewohnt gewesen, des Nachts auf diesem Berg zusammenzukommen, mit den Teufeln zu tanzen, zu buhlen, Menschen und Vieh zu beschädigen. Daher kommt es auch, dass die gemeinen Leute die Gespenster und Luftgesichte, die auf diesem Berg häufig gesehen werden, für Zauberei von den Hexen und Teufeln halten. Solche scheinen anderen ihren Ursprung daher zu haben, weil um die Zeiten Maximilians I. an diesen Orten bisweilen Schlachten vorgegangen, als da Eberhard der Bärtige mit den Rottweilern Krieg geführt, ehe er Herzog worden. Gleichwie auch Pausanias (in den Atticis) schreibt, dass in den marathonischen Feldern, in welchen Miltiades die Perser überwunden hatte, auch viel Jahre hernach Gespenste des Nachts (streitende Soldaten) gesehen, auch Kriegsgeschrei und Wiehern der Pferde gehört worden, und wer frech hinzugegangen, nicht ohne Schaden davongekommen sei.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
