<<< vorherige Sage | Kapitel 5 | nächste Sage >>>
Eine Hexe macht Wind
Eine mündliche Überlieferung aus Wurmlingen
In der Erntezeit schnitten einige Leute aus Wurmlingen ihr Korn im Feld. An ihren Acker grenzte die Wiese des Schullehrers und war nur durch einen Fußweg davon geschieden. Auf dieser Wiese, dicht am Weg, standen etwa zwölf schöne Pflaumenbäume, die ganz voll reifer Pflaumen hingen. Es war das schönste Wetter, kein Lüftchen ging. Mit einem Mal erhob sich aber in den Pflaumenbäumen ein Geräusch wie ein heftiger Sturm, dass eine Menge Pflaumen herabfielen. Die Schnitter waren nur 15 Schritte von den Bäumen entfernt und verspürten keinen Wind. Auch an anderen Bäumen bewegte sich kein Blatt. Alsbald aber kam eine bekannte Hexe aus Wurmlingen daher, raffte die auf dem Weg liegenden Pflaumen zusammen und ging damit fort.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
