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sagen:sagenschwaben204

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Hexen stehlen Kinder

Eine Frau aus Derendingen hatte ein Kind geboren, das lange nicht getauft wurde. Als nun die Mutter in der Nacht einmal aufwachte und ihr Kleines säugen wollte, war es fort und nirgends zu finden.

Da kam der Mann eben nach Hause und die Frau klagte und sagte: »Ach ich habe mein Kind nicht mehr!«

Sprach der Mann: »Das hat gewiss eine Hexe gestohlen. Als ich auf dem Heimweg war, schrien da so viele Katzen in einem Garten, dass mir es auffiel. Ich will doch sogleich einmal hingehen.«

Darauf nahm der Mann seinen Säbel in die Hand und begab sich in den Garten, und wie er hinkam, bildeten da die Katzen einen Kreis. Mitten drinnen sah er sein Kind sitzen. Auf dem tanzten sie herum, dass es laut schrie. Da nahm er sein Kind und wehrte mit dem Säbel die Katzen ab, die ganz wild wurden. Zwei aber verfolgten ihn bis an seine Haustür. Hier sprang auf einmal die eine auf ihn los. Er aber versetzte ihr mit dem Säbel einen kräftigen Hieb auf die Brust, worauf er plötzlich seines Nachbars Frau erbärmlich schreien hörte. Die hatte auch richtig von dem Hieb eine große Wunde in der Brust, dass sie schier ums Leben gekommen wäre. Seitdem wusste man gewiss, wer die Hexe war, die das Kind gestohlen hatte.

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852


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