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Die abgehauene Katzenpfote
Eine mündliche Überlieferung aus Bühl und sonst sehr allgemein
Ein Soldat kam fast jeden Abend, wenn er außer Dienst war, zu einem Mädchen, das er heiraten wollte. Das ging eine Weile so. Da sagte das Mädchen eines Abends, er dürfe jede Nacht zu ihr kommen, nur nicht des Freitags, da sei es ihr niemals geschickt. Dem Soldaten schien diese Äußerung verdächtig und er machte sich deshalb gerade in der nächsten Freitagsnacht auf den Weg zu seinem Schatz. Unterwegs traf er eine weiße Katze an der Straße, die lief beständig zu ihm her, und als sie nicht weichen wollte, zog er endlich seinen Säbel, hieb nach ihr und hieb ihr eine Pfote ab. Da sprang die Katze, was sie konnte, dem Ort zu.
Als der Soldat nun zu der Magd in die Kammer trat, lag sie im Bett und gab auf seine Frage, was ihr fehle, eine ganz verwirrte Antwort. Zugleich bemerkte er Blutspuren am Bett und zog deshalb die Decke herunter. Da schwamm sie im Blut. Der eine Fuß war ihr abgehauen. »Ha, so steht es mit dir, du Hexe!«, rief der Soldat und ging fort.
Das Mädchen aber starb am dritten Tag.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
