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sagen:sagenschwaben199

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Die Hexenfahrt

  Eine mündliche Überlieferung aus Derendingen

Ein Knecht ans Derendingen hatte seine Hausfrau in Verdacht, dass sie eine Hexe sei, denn alle Freitagsnächte war sie fort. Da blieb der Knecht einmal am Donnerstagabend auf und sah, wie die Frau um 12 Uhr eine Ofengabel vom Herd nahm und aus einem Hafen (Topf) etwas langte, womit sie die Ofengabel bestrich und dann sprach:

Oben naus
Und neanends ‘nan!

Darauf flog sie zum Schornstein hinaus. Sogleich ging der Knecht hin, nahm ebenfalls eine Ofengabel und bestrich sie mit der Salbe aus dem nämlichen Hafen und sprach, um überall hinzukommen, wie er meinte, und um alles zu sehen:

Oben naus
Und überall ‘nan!

Und sofort flog er zwar auch in die Höhe, wurde aber schon im Schornstein so jämmerlich an alle Ecken und Steine geworfen und draußen an alle Bäume und Zäune und Häuser so derb gestoßen, dass er ganz zerkratzt und geschunden auf dem Heuberg ankam.

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852


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