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sagen:sagenschwaben188

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Sage des Monats Februar 2025

Doktor Faust

  Mündlich

Eine Stunde von Maulbronn, in dem würtembergischen Städtchen Knittlingen, ist der berühmte Zauberer Johannes Faust geboren. Nachdem er viel studirt und spekulirt, und kraft des Teufels; dem er seine Seele verschrieben, viel höllischen Spuk allerorten angestiftet und ein ruch- und gottloses Leben geführt, hat ihn endlich der Teufel zur bestimmten Stunde geholt, als sich Dr. Faust gerade in Maulbronn aufhielt. Dort steigt man noch jetzt vom Kloster aus durch ein Fenster über mehre Dächer in ein ausgemauertes Gemach, darin er gehaust. An der Wand aber befindet sich ein unvertilgbarer großer Blutflecken; daselbst hat ihm der Teufel den Schädel zerschlagen, als er mit ihm davonging.

Man erzählt vielerlei Geschichten vom Dr. Faust. Der Teufel mußte ihm alles thun und anschaffen, was er nur haben wollte. Er mußte ihm z.B. mitten im Winter Erdbeeren holen; mußte ihm im heißen Sommer eine Schneebahn machen, also, daß er mit dem Schlitten drauf fahren konnte. Ferner gab er dem Teufel oftmals auf, wenn er durch eine Stadt fuhr, daß er das Straßenpflaster vor ihm aufreißen und dasselbe hinter ihm sogleich wieder herstellen solle, und dabei fuhr er nicht langsam. Umgekehrt hat der Teufel ihm auch wohl einen Feldweg pflastern, und sobald er darüber gefahren, das Pflaster augenblicklich wieder aufreißen müssen.

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852


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