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Die Herrgottstritte 2
Mündliche Überlieferungen aus Heubach
In seiner Schwäbischen Chronik, II. Band, Seite 428 erzählt Crusius die Geschichte so: An einem Felsen des Rosensteins sieht man die Figur eines rechten Fußes, als wäre sie künstlich hineingedrückt worden. An dem gegenüberliegenden Scheuelberg sieht man die Fußstapfen des linken Fußes, der ebenso schön ist. Davon erzählen sich die alten Weiber, dass Christus einst, als er vor den Juden geflohen war, diese Fußtritte hineingedrückt habe. Das Wasser, das sich darin ansammelt, gebraucht man für die Augen.
Bei dem Tritt auf dem Rosenstein wurde später ein Marienbild errichtet und viel zu demselben gewallfahrtet. Wegen einiger Unordnungen, die dabei vorkamen, wurde auf Befehl des Herzogs »der abergläubische Tritt« unterminiert und am 14. Juni 1740 in die Luft gesprengt. Der andere Fußtritt auf dem Scheuelberg soll nun herausgehauen und auf dem Heubacher Rathaus noch lange Zeit aufbewahrt worden sein. Das Volk nennt diese Tritte »Herrgottstritte«.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
