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Teufelsmauer
Eine mündliche Überlieferung
Der große Grenzwall, den die Römer in Alemannia von der Donau unweit Regensburg durch das jetzige Württemberg hindurch bis an den Rhein hei Köln fortführten, um sich gegen das freie Deutschland zu schützen, soll eigentlich und ursprünglich ein Werk des Teufels gewesen sein. Dieser bat sich einst von Gott dem Herrn ein Stück Land aus, so groß, wie er in einer Nacht mit einer Mauer oder einem Graben umgeben könne. Die Bitte wurde ihm gewährt, worauf er in der Gestalt eines Schweines (nach anderen mithilfe eines Schweines) den Erdwall aufzuwühlen und aufzuwerfen begann, daher derselbe auch »Schweinsgraben« heißt.
Auch ein Hahn spielte beim Bau der Teufelsmauer eine Rolle, indes weiß man nicht mehr, was derselbe eigentlich dabei getan hat. Weil der Teufel es nun aber auf ein gar zu großes Stück abgesehen hatte, überraschte ihn der Tag noch vor der Vollendung der Verschanzung, weshalb er aus Ärger das ganze Werk im Nu wieder zerstörte.
Übrigens war der Wall mit dem Graben früher noch deutlicher zu sehen als jetzt, wo man ihn bis auf wenige Reste fast geebnet hat. Der Graben an der jenseitigen (nördlichen) Seite war tiefer als der an der diesseitigen alemannischen.
Andere Namen der Teufelsmauer sind: Römerschanze, Schanzgraben, Teufelsgraben, Pfahlgraben, Pfahl. Daher stammen auch wohl die Namen der Orte, die in der Nähe dieses Erdwalles liegen: Pfahlheim (Baldern?), Pfahlbronn, Pfahlbach (vergleiche auch Pfuhl und Fahlheim an der Donau bei Ulm).
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
