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sagen:sagenschwaben175

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Der Teufel holt eine Glocke

  Eine mündliche Überlieferung aus Wurmlingen

Ein Bauer, namens Wendelin aus Rotenburg, besuchte, so oft er auf dem Feld pflügte, stets die Messe in der Silchenkirche und ließ die Arbeit ruhen. Dann kam aber jedes Mal ein Engel und pflügte für ihn weiter. Aus Dankbarkeit ließ der Bauer auf diesem Feld die Theodorichskapelle bauen. Nur zu einer Glocke langte sein Vermögen nicht. Da machte er einen Bund mit dem Teufel, dass dieser ihm von Rom eine Glocke holen sollte. Brächte er dieselbe am folgenden Tag noch bevor der Pfarrer mit der ersten Messe fertig sei, so solle die Seele des Pfarrers ihm gehören. Würde der Pfarrer aber früher fertig, so müde er die Glocke umsonst liefern. Der Teufel holte nun die Glocke. Als er aber mit derselben über den Bodensee flog, entriss sie Petrus seinen Händen und warf sie in den See. Der Teufel fischte sie zwar wieder heraus; allein er kam deshalb so spät zurück, dass der Pfarrer die Messe längst beendet hatte und bereits sich auskleidete. Aus Ärger warf der Teufel die Glocke so heftig hin, dass sie einen Riss bekam, was man am Geläut auch ganz deutlich hört.

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852


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