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Der Riese Erkinger 6
Mündliche Überlieferungen aus Hirschau und Liebenzell
In der schönen »Riesenkapelle« zu Hirschau, die an der nördlichen Seite der Klosterkirche gelegen und auf barbarische Weise vor etlichen Jahren abgebrochen worden war, bewahrte man das Kleid des Riesen Erkinger, das 14 Fuß lang war, auf; außerdem einen ungeheuren Hosenträger und einen Schuh desselben. Anstatt der Knöpfe hatte das lederne Kleid eiserne Ringe.
An dem Tor zu Liebenzell, aus welchem man ging, wenn man die Burg besuchen wollte, war sonst der Erkinger in riesiger Gestalt mit einer gewaltigen Stange in der Hand abgebildet. Das Tor ist abgebrannt. Bei jenem Brand fand man übrigens ein Buch, das leider fast ganz versengt war. Nur die Aufschrift konnte man noch lesen: »Franz Erkinger, der große Tyrann, gebürtig aus Merklingen.« Das ist alles, was man über seine Herkunft weiß.
Spuren von diesem Riesen findet man noch häufig bei Liebenzell, nämlich dicke Steinkugeln, die etwa anderthalb Schuh im Durchmesser haben. Diese soll er bei verschiedenen Gelegenheiten, besonders bei Belagerungen, auf die Menschen herabgeschleudert haben.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
