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Der Riese Erkinger 1
Mündliche Überlieferungen aus Hirschau und Liebenzell
Den gewaltigen Turm bei Liebenzell, den man im Volk das »Schloss« nennt, hat der Riese Erkinger erbauen lassen. Der Kalk oder »Speis« soll mit Wein angemacht sein. Andere sagen mit Milch, welche die umwohnenden Bauern liefern mussten. Dieser Turm hatte unten ehedem keinen Eingang. Erst spät hat man die ungeheure Mauer, die aus dicken Quadern besteht, durchbrochen, sodass man wenigstens hineinkriechen konnte. In ganz neuer Zeit kann man bequem hineingehen.
In diesem Turm nun sollen große Schätze verborgen sein, die ein Pudel hütet. Andere sagen, das Geld liege in dem verfallenen Keller der Burg. Gewiss ist, dass einst ein »fahrender Schuler« gesagt hat: »Wenn Liebenzell nur wüsste, wie reich es wäre und wie viel Geld in dem Turm noch liege!« Der Schatz jedoch muss tief liegen und braucht seine bestimmte Zeit, wo er gehoben werden kann. »Indes schafft er sich alle Jahre etwas höher herauf.« Aber noch keiner hat ihn gesehen. Der Geist des Riesen geht auch noch immer dort um.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
