Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


sagen:sagenschwaben144

<<< vorherige Sage | Kapitel 3 | nächste Sage >>>

Das Moutesheer im Schwarzwald

  Eine mündliche aus der Gegend von Kalw

Das Muotesheer ist der Teufel mit seinem ganzen Gesinde, mit Hexen und bösen Geistern, welche zu gewissen Zeiten umziehen und brausend durch die Luft fahren. Vor diesem Heer geht aber ein Mann her, der die Leute warnt, dass sie ausweichen, indem er mit lauter Stimme ruft:

Außem Weg!
Dass niemand was g’scheh!

Man hört diesen Ruf immer schon von Weitem und muss sich dann nur mit dem Gesicht auf die Erde werfen, so ist man sicher.

So machte es auch einmal ein Mann, als er das Muotesheer übers Feld kommen hörte. Er warf sich nieder und ließ es über sich hinziehen, wobei er ein seltsames Katzen- und Hundegeschrei und eine gellende Musik vernahm. Als das Heer aber vorbei war, ging er ihm nach und sah alsbald, wie der ganze Haufen in eine Scheuer zog. Da schlich er sich hin und guckte durch einen Spalt in der Tür und sah da eine ganze Hexenversammlung, welche dem Teufel Bericht erstattete über das, was jeder Einzelne getan hatte, worauf sie dann neue Aufträge erhielten. Darauf tanzten die Hexen und aßen und tranken, wobei sie sich der Hufe von Pferden, Kühen und Schweinen anstatt der Gläser bedienten.

Eine alte, wohlbekannte Frau kam ein wenig zu spät zu der Versammlung. Dafür wurde sie tüchtig ausgescholten und musste zugleich als Zündstock dienen, indem man sie auf den Kopf stellte und auf ihre beiden Füße zwei Lichter setzte. Darüber erhoben die Hexen ein unauslöschliches Gelächter und machten sonst noch allerlei Wüstes.

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852


sagen/sagenschwaben144.txt · Zuletzt geändert: von 127.0.0.1