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Der wilde Jäger jagt Menschen
Eine mündliche Überlieferung aus Neresheim
Auf die Schweihöfe, die unterhalb Dillingen an der Donau liegen, kam einst bei Nacht zwischen 11 und 12 Uhr ein Jäger, klopfte an und bat, der Bauer möge ihm doch seinen Hund mitgeben, er solle dafür auch ein Stück von dem Wildbret abhaben, das er jagen werde. Der Bauer band darauf seinen Hund los und gab ihn dem Jäger mit. Dieser kam etwa nach einer Stunde zurück und warf dem Bauer einen Menschenfuß durchs Kammerfenster. Der Hund aber lag vor der Haustür und war zerrissen. Aus alledem erkannte der Bauer mit Schrecken, dass der wilde Jäger oder das »Wild Heer« bei ihm gewesen war, und dass er ihm zur Umbringung eines Menschen geholfen hatte. Denn mit seinen eigenen Hunden kann der wilde Jäger niemand beikommen. Bekommt er aber von Menschen einen Hund, so kann er mit diesem leicht einen Menschen erjagen.
Der wilde Jäger zieht auch sonst dort um mit Hörnerblasen, Hundegebell und Schießen wie bei einer großen Jagd.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
