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sagen:sagenschwaben124c

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Ranzenpuffer 3

  Mündliche Überlieferungen aus Lustnau, Kusterdingen und Kirchentellinsfurt

Ranzenpuffer war eigentlich ein Jäger auf dem Einsiedel bei Tübingen und führte ein gottloses Leben, quälte die Menschen, liebte Wein, Weiber und Spiel über die Maßen und trieb auch Zauberei, wofür er seit vielen hundert Jahren geistweis umgehen muss. Er spukt im ganzen Forstrevier, das er früher zu beaufsichtigen hatte, namentlich zwischen dem Einsiedel und Dettenhausen, bei der Blaulach zwischen Lustnau und Kirchentellinsfurt, und bei dem letzteren Dorf besonders in dem Wäldchen »Made«. Ferner im Schönbuch, woselbst er sich in dem sogenannten »Bärloch« aufhält. Da kommt er dann auf seinem Schimmel zu den Leuten hergejagt , als ob er sie umreiten wollte, dass es kracht und rauscht. Allein er erschreckt sie bloß. Häufig sieht man ihn auch als Jäger gekleidet zu Fuß, mit dem Gewehr auf dem Rücken, indem er allerlei Possen macht. So zeigt er sich oft des Nachts an der Blaulach und läuft neben den Fußgängern her und versucht sie ins Wasser zu treiben. Zuweilen erscheint er mit, zuweilen ohne Kopf, indem er denselben wie einen Hut unter dem Arm trägt. Gern sehleicht er sich auch hinter die Holzleser im Wald und ruft ihnen plötzlich ins Ohr: »Was, was ist’s?«, dass sie zusammenfahren und recht erschrecken. Auf einmal zeigt er sich dann als Fuchs, tut zwei, drei Beller und kommt ganz nahe zu den Leuten her und bringt sie in Angst. Überhaupt verwandelt er sich gern in Tiere. So ist er auch schon als Reh herumgelaufen, hat dreimal geschrien, wenn ein Mensch gekommen ist und ist auf ihn losgesprungen, als ob er ihn hätte umrennen wollen. Wenn man ihn sonst als Reh brüllen hört, so soll das eine Veränderung des Wetters anzeigen.

Einmal war ein Arbeiter aus Lustnau in seinem Weinberg während der Mittagsruhe eingeschlafen. Als er aufwachte, stand Ranzenpuffer als Ochs vor ihm da mit dicken, kugelrunden Glotzaugen und stierte ihn an. Ein mächtig großer Haarwulst hing ihm zwischen den Hörnern herdurch über die Stirn herab. Nach einer Weile verschwand er.

Man hat schon mehrmals auf Ranzenpuffer, wenn er in einer Tiergestalt, zum Beispiel als Hase sich zeigte, geschossen, hat ihn niemals treffen können.

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852


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