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sagen:sagenschwaben106

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Der Fuchseckschäfer

  Eine mündliche Überlieferung aus Schlat

Ein hoher Vorsprung der schwäbischen Alb mit weiter, schöner Aussicht, zwischen den Dörfern Schlat und Ganslosen gelegen, heißt »Fuchseck«. An die obere Kuppe dieses Berges lehnt sich der Fuchseckhof. Auf diesem Hof lebte in alten Zeiten einmal ein Schäfer, der konnte seine Schafe in »Mucken« (Fliegen) verwandeln und ließ diese dann in die Ebene von Schlat herabstiegen, dass sie daselbst die Felder und Wiesen abweideten. Zur Strafe dafür muss dieser Schäfer seit vielen hundert Jahren noch immer schweben. Man sieht ihn alljährlich um Bartholomäi, oft acht Tage lang, auf Fuchseck und auf den Wiesen von Schlat mit einer Herde von 500 bis 600 Schafen. Er steht dann da im weißen Zwillichkittel und hat einen dreieckigen Bauernhut auf. Ein weißer Hund mit schwarzem Kopf sitzt neben ihm. Das ist der alte »Fuchseckschäfer«, den jedermann in Schlat kennt und schon oft gesehen hat. Geht man aber zu den Schafen näher hin, so sind es lauter »Mucken« vor denen man sich kaum verbergen kann. So sagte einmal ein Bauer zu einem Gassenbuben, als eben der Fuchseckschäfer mit Hund und Herde sich wieder sehen ließ: »Lauf doch hinauf und hol mir ein Schaf da herunter!« Und als nun der Bube hinsprang, drangen ganze Schwärme von »Mucken« auf ihn ein, sodass er eilig zurücklief und recht tüchtig ausgelacht wurde.

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852


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