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Breithut
Eine mündlich aus Wiesensteig und Gosbach
Nach Wiesensteig im Filstal kommt in den Adventsnächten ein Mann auf einem Wagen gefahren, der mit vier schwarzen, kopflosen Rappen bespannt ist. Zuweilen soll er auch mit vier Schimmeln fahren. Er kommt aus der Blaubeurer Herrschaft, nimmt seinen Weg durch Hohenstadt und fährt dann das Tal herab und jagt durch Wiesensteig , indem er beständig mit der Peitsche knallt. Einige sagen, er fahre bald in der Luft, bald auf der Erde und rufe den Leuten zu, aus dem Weg zu gehen.
Als Wiesensteig noch Tore hatte, zog er jedes Mal, wenn er durchfahren wollte, an der Glocke. Sobald aber der Torwart aufmachte, war Breithut schon in der Stadt und jagte knallend ans andere Tor, wo er es dann ebenso machte. Wegen des breitrandigen Lederhutes (Schlapphutes), den er trägt, heißt er allgemein der »Breithut«, und ist unter diesem Namen auch in den benachbarten Orten, in Gosbach, Drachenstein, Machtolsheim und sonst bekannt. Breithut soll ein vornehmer Herr gewesen sein, der in der Nähe von Wiesensteig ein Schloss hatte und durch Betrug viele Ländereien an sich brachte, wofür er jetzt noch immer geistweis umgehen muss. Doch tut er niemanden etwas zuleide. Die Wiesensteiger haben vor mehreren Jahren einmal in der Fastnacht den »Breithut« dargestellt und hatten dazu namentlich einen mächtigen Hut gemacht, der hatte einen Rand, größer als ein großer, ausgespannter Regenschirm.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
