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Das Geldmännle der Jesuiten
Eine mündliche Überlieferung aus Bühl
Das alte Schloss in Bühl, welches jetzt ein Wirtshaus ist, war früher ein österreichisches Lehensgut. Dieses Schloss erbte ein Fräulein und verspielte es der Sage nach in einer Nacht an die Freiherrn von Ehingen in Kilchberg. Später kauften es die »Jesuiter« von Rotenburg nebst vielen Ländereien. Während dieser Zeit sollte einmal ein Knecht aus Bühl den »Jesuitern« eine Ladung Bier, das sie im Bühler Schloss liegen hatten, nach Rotenburg bringen. Er bekam einen Brief mit an den Rektor und machte sich frühmorgens auf den Weg, sodass er schon gegen fünf Uhr, als es noch finster war, in Rotenburg ankam. Wie er nun zum Haus des Rektors der Jesuiter kommt, findet er die Türen geöffnet, obwohl noch alles zu schlafen scheint. Er geht hinein und da sieht er in dem Gang eine ganze Reihe hölzerner Zuber stehen, an denen ein kleines , unkenntliches Männlein in Pantoffeln auf- und niederläuft. Nachdem der Knecht eine Weile zugesehen hatte, wird ihm ganz unheimlich zumute. Er eilt fort und weckt den Wärter. Wie sie beide aber zurückkommen, war das Männlein mitsamt den großen Zubern verschwunden. Nur ein arges Poltern ließ sich hören, dass man hätte meinen sollen, das ganze Kloster wolle einfallen. Das kleine Männlein aber war niemand anderes als der Teufel, den die Jesuiter zwangen, dass er ihnen Geld schaffen musste, daher sie denn auch so arg reich waren.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
