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Der Klopferle in Großsachsenheim
Eine mündliche Überlieferung aus Markgröningen
In dem alten Schloss zu Sachsenheim hält sich schon lange ein Hausgeist auf, der klopft überall im ganzen Haus herum und hat daher seinen Namen Klopferle bekommen. Er kann nichts an dem Platz lassen, wo es sich befindet, sondern verrückt es beständig. Sind zum Beispiel die Kirchweihkuchen ordentlich aufgeschichtet, so wirft er sie durcheinander. Stehen Gläser oder Tassen mitten auf dem Tisch, so schiebt er sie an den Rand oder auf die Ecken des Tisches. Oft bindet er nachts das Vieh um und stellt es in eine andere Ordnung und dergleichen. Man sieht ihn zuweilen, besonders an hohen Festtagen. Er geht dann unter den Menschen herum oder setzt sich zu ihnen und tut niemanden etwas zu Leide. Nur wenn ihm jemand einen Auftrag gibt und sagt: Klopferle, hol mir Wasser, oder tun das und das!, so wird er böse und schlägt denjenigen, der ihn kommandieren will. Sagt einer dagegen ganz unbestimmt Jetzt sollte man auch das und das tun, sollte Kartoffeln spülen, schälen, Holz holen, das Vieh füttern und dergleichen, so verrichtet der Klopferle das Gewünschte auf der Stelle. So hat er noch im Herbst 1847 alles Obst in den Keller getragen, und das war keine Kleinigkeit. Man glaubt, dieser Geist sei ein früherer Bewohner des Schlosses, weiß aber nicht, weshalb er darin umgehen muss.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
