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Der Poppele auf Hohenkrähen 5.Sage
Mündliche Überlieferungen aus Engen und der Umgebung von Hohentwiel
Ein Schneider aus Engen ging eines Abends vom Nähen heim, und nachdem er unterwegs seine Notdurft verrichtet hatte, sprach er: »Da, Poppele, das ist dein!«
In demselben Augenblick aber war der Poppele auch schon da, nahm den Schneider und zog ihn durch Hecken und Büsche, durch Korn und Dorn, dass er am ganzen Leib elendiglich zerrissen und zerfetzt ward. Seitdem hat der Schneider nie mehr über den Poppele spotten mögen.
Ebenso hat der Poppele auf der Brücke, die bei Mühlhausen über die Ach führt, schon manchen, der ihn geneckt hatte, ins Wasser geworfen.
Aber auch Leuten, die ihm nichts getan haben, spielt er zuweilen einen Streich. So kam einmal ein Glasmann daher und war sehr müde. Plötzlich verwandelte sich der Poppele in einen abgesägten Baumstamm, und als nun der Glasmann seine Last auf den Stamm niedersetzen wollte, war alles Verblendung, das Glas fiel auf die Erde und zerbrach.
Auf dieselbe Weise hat der Poppele auch schon müde Eierträger angeführt.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
