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Der Poppele auf Hohenkrähen 3.Sage

  Mündliche Überlieferungen aus Engen und der Umgebung von Hohentwiel

Andere erzählen von diesem Kegelspiel allerlei Geschichten, besonders folgende. Eines Sonntags während der Kirche sahen zwei Handwerksburschen den Poppele in dem Graben kegeln. Er traf aber nichts. Da lud er die Handwerksburschen ein, mit ihm ein Spiel zu machen. Das taten sie und gewannen anfangs mehrere Gulden. Dann aber verspielten sie nicht bloß alles, was sie gewonnen hatten, sondern auch noch ihr Reisegeld bis auf den letzten Kreuzer und zogen traurig von dannen.

Als sie darauf an einen Berg kamen, sah der eine, dass eine Kegelkugel auf seinem Ranzen lag und nahm sie ärgerlich herab und warf sie fort. Dann gingen sie miteinander nach Mühlhausen. Da fand der andere, als er seinen Ranzen abnahm, einen Kegel darauf, der war von reinem Gold. Er wollte ihn verkaufen, aber in dem Ort war niemand, der den Kegel bezahlen konnte. Einer jedoch ließ sich für zweitausend Gulden ein Stück absägen.

Zum Andenken an diese Geschichte hat man in Mühlhausen einen Kreuzstock errichtet, den man noch zeigt.

Den Rest des Kegels verkaufte der Handwerksbursche für viele tausend Gulden in Schaffhausen.

Darauf hat der andere Bursche die weggeworfene Kugel gesucht und wieder gesucht, aber nicht mehr gefunden.

Wenn man seit der Zeit den Poppele kegeln sah oder es nur hörte, so hatte er immer bloß acht Kegel und eine Kugel.

(Auch in der Ruine Aspermont bei Chur in Graubünden liegt ein goldenes Kegelspiel. Man hört zu Zeiten, wie damit gekegelt wird.)

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852


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