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sagen:sagenschwaben084

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Der ungeheure Brunnen

  Beschreibung des Oberamts Hall v. Moser, S. 220

Eine halbe Stunde südlich von Hessental (bei Schwäbisch Hall) befindet sich ein Brunnen, bei dem es nicht »geheuer« ist, weshalb er allgemein der »ungeheure Brunnen« heißt.

Dieser Brunnen war einst von Wasserfrauen bewohnt, welche sich mit den Mädchen von Hessental so vertraut machten, dass diese, wenn sie in der Frühe des Sommers hier mähen wollten, das Gras schon geschnitten fanden. Auch des Winters kamen sie nach Hessental in die Spinnstuben und halfen den Mädchen beim Geschäft, entfernten sich aber jeder Zeit noch eh es zwölf geschlagen hatte. Weil sie jedoch einmal von den Spinnerinnen über die Stunde getäuscht wurden und sich deshalb zu lange aufhielten, so mussten sie es mit ihrem Leben büßen und kamen nie wieder. Man fand den Brunnen am anderen Morgen voll Blut.

Seitdem geht hier ein Geist um, der die Wanderer irre führt und in das Wasser zu locken sucht.

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852


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