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Sagen vom wilden See 3
Eine mündliche Überlieferung aus Schönmünzach und aus dem roten Murgtal
In dem zweiten wilden See beim Kadenkopf, aus dem die Schönmünzach entspringt, soll ein Nonnenkloster versunken sein, daher er beim Volk auch wohl Nonnensee heißt. Er gilt ebenfalls für unergründlich tief und darf nicht befahren werden, denn wenn man in die Mitte kommt, so geht das Fahrzeug unter. Wirft man einen Stein hinein, so soll es ein Wetter geben. Mittags um 12 Uhr hört man noch immer in der Tiefe die Glocken läuten. Auch Gesang und Musik will man hier schon vernommen haben. Ein alter Bauer, Namens Volz, der im Schönmünzachtal wohnt, bewahrt noch einen großen Schlüssel auf, der zu der versunkenen Kirche gehören soll. So geht die Sage in Schönmünzach.
Im roten Murgtal, Obertal usw. erzählt man: In der Nähe des wilden Sees sehe man noch behauene Steine als Reste eines Mauerwerks. In dem See aber, sagt man, leben ein Seemännlein und ein Seeweiblein, die seien ehedem oft nach Obertal und auf die Höfe des roten Murgtals gekommen und hätten für die Menschen gearbeitet. Zwei Seefräulein oder Nonnen seien aber oftmals drei Stunden weit bis nach Schwarzenberg gegangen, um zu tanzen, und hätten auch Liebschaften gehabt mit den Burschen im Tal.
Das alte Seemännlein kam übrigens immer ganz »verzottelt« daher, weshalb ein Bauer im roten Murgtal ihm neue Kleider machen ließ.
Nachdem es diese genommen hatte, sprach es: »Jetzt hab′ ich meinen Lohn!.« Und hat sich seitdem nie wieder sehen lassen.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
