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Sagen vom Huzenbacher See 4
Mündliche Überlieferungen aus Huzenbach
Eine Bäuerin aus Huzenbach war einstmals mit ihrer Magd auf dem Feld und arbeitete. Da erblickte sie ganz nahe eine große »Krott« (Kröte) und sagte zur Magd: »Schlag doch die wüste Krott tot!«
Die Magd aber sagte: »Nein, das tu ich nicht. Bei der steh ich wohl noch einmal Gevatter.«
Und richtig, es dauerte nicht lange, da wurde die Magd abgeholt, um Gevatter zu stehen, wie sie es der Krott versprochen hatte. Sie ging auch mit und man sagt, sie sei in den See geführt worden und sei dort zu Gevatter gestanden.
Danach sprach die Krott, die jetzt eine Frau war, also zu ihr: »Nimm diesen Gürtel mit und binde ihn deiner Herrin um den Leib! Dir aber schenke ich dies Büschel Stroh.«
Die Magd nahm beides und ging fort, band aber unterwegs den Gürtel, um zu sehen, wie er sich ausnehme, um einen Baum. Da wurde augenblicklich der Baum in tausend Stücke zusammengerissen. Diese Strafe hätte also ihre Herrin treffen sollen, weil sie die Krott, die nichts anderes als das Seeweible war, hatte totschlagen lassen wollen. Das Büschel Stroh hatte die Magd weggeworfen. Nur einige Halme waren ihr am Kleid hängen geblieben und waren reines Gold, als sie daheim sie abnehmen wollte.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
