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Sagen vom Huzenbacher See 1
Mündliche Überlieferungen aus Huzenbach
In dem kleinen See, der etwa drei Viertelstunden von Huzenbach in einem Seitental liegt, hielten sich ehedem ein Seemännlein und ein Seeweiblein auf. Sie hatten zwei Töchter, die kleideten sich schneeweiß und kamen gewöhnlich nur einmal im Jahr, wenn Kirchweih war, nach Huzenbach zum Tanz.
Andere sagen, sie seien öfter gekommen und hätten immer in dem allen Beckenhaus, das ehemals ein Wirtshaus war und für das älteste Haus in Huzenbach gilt, getanzt.
Auch nach Schwarzenberg sind sie gekommen. Um zwölf Uhr aber mussten sie immer wieder daheim sein, weshalb sie stets bald nach elf fortgingen. Die Burschen tanzten gern mit ihnen, denn sie waren wunderschön und nicht wie die gewöhnlichen Mädchen. Deshalb geschah es auch, dass sie einstmals sich zu lange aufhalten ließen und nicht zu rechter Zeit heimkamen. Den Tänzern, welche ihnen das Geleit bis an den See gaben, sagten sie ihr Schicksal vorher. Sie möchten doch zusehen, ob das Wasser des Sees nicht rot werde, sobald sie hinabgestiegen seien. Das würde ein Zeichen sein, dass sie ihr zu langes Ausbleiben mit dem Leben hätten büßen müssen. Die jungen Burschen blieben eine Weile stehen und sehen alsbald, dass Blut herausquoll und der See sich färbte. Man hat die Seefräulein auch nie wieder gesehen.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
