<<< vorherige Sage | Kapitel 2 | nächste Sage >>>
Die Erdmännle bei Hirschau
Eine mündliche Überlieferung aus Hirschau
Beim Kloster Hirschau, zwischen der sogenannten Bruderhöhle und einer Meierei, die auf der Berghöhe liegt, befindet sich im Wald ein großes Fels. Auf diesem verzehrte ein Arbeiter aus der Meierei öfters sein Essen. So oft der Mann aber einen Kuchen bekam, was jedes mal geschah, wenn man Brot gebacken hatte, so traten aus einer Spalte des Felsens, auf welchem er saß, ein ganz klein winziges Männlein und ein ebensolches Weiblein hervor, stellten sich zu seiner Rechten und Linken auf und sahen zu, wie er aß, und blieben so lange da stehen, bis er ihnen ein Stück von dem Kuchen abgab. Dann nickten sie, als ob sie sich bedanken wollten, und schlüpften in die Felsspalte wieder hinein.
Man nannte diese kleinen Leute Erdmännle oder Bergmännle, auch unterirdische Bewohner.
Zu Kalm haben diese Erdmännle in einem Haus beständig das Holz »gebeugt« (aufgeschichtet), was man am Tag gespalten hatte. Man wusste lange nicht, wer das tat, bis der Knecht einmal des Nachts aufblieb und zwei kleine Männlein beim Holz schaffen sah.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
