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Der Schatz im Kloster zu Brackenheim
Eine mündliche Überlieferung aus Brackenheim
Einmal um Weihnachten fand eine Frau in der Kuhkrippe des Klosters zu Brackenheim eine ganze Handvoll lichtroter »Johannisvögele« (Johanniswürmchen) und wusste nicht, was sie damit anfangen sollte und warf sie hinaus. Hätte sie etwas von ihrem Zeuge, zum Beispiel nur die Schürze, darüber gelegt, so wäre sie steinreich geworden, denn es war offenbar ein Schatz, der gehoben werden sollte.
Ein anderes Mal kam der Mann dieser Frau auf den Boden und sah hier einen großen aufgeschütteten Haufen solcher goldiger »Johannisvögele« und rief: »O Jes, was ist das!« Da war plötzlich der ganze Haufen fort.
Wieder ein anderes Mal trat der Mann in die Kammer und sah helle Flammen aus dem Boden schlagen und schrie: »O Gott, es brennt, es brennt!« Und sogleich war alles spurlos verschwunden, denn solche Schätze, die sich zeigen, dürfen nicht beschrien werden.
Im Kloster zu Brackenheim ist’s übrigens auch sonst nicht ganz richtig. So bekam zum Beispiel ein früherer Hausbewohner, wenn er auf einer gewissen Treppe sich treffen ließ, regelmäßig von einem unsichtbaren Geist Ohrfeigen. Es war ein Kapuziner, der hier umging und der jenen Mann nicht leiden konnte.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
