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Das Fräulein am Quell der Nagold
Mündliche Überlieferung aus Nagold
Ein vornehmes Fräulein hatte sich einst in der Umgegend von Altensteig verirrt und hörte endlich ein Wasser rauschen und kam zu dem Ursprung der Nagold, die es Ir-Nagold nannte, weil es daselbst sich verirrt hatte. Ebenso hieß dann auch der Weiler am Ursprung des Flusses, den man jetzt Ur-Nagold schreibt. Das Volk aber spricht den Namen gewöhnlich »Her-Nagold« aus.
Aus Dankbarkeit schenkte das Fräulein den Altensteigern den ganzen Wald, der mehrere Tausend Morgen groß ist. Seit ihrem Tod aber geht dieses Fräulein bis auf den heutigen Tag geistweise in der Umgegend der Quelle und zeigt sich alljährlich mehrmals, und zwar immer in weißen Kleidern und mit freundlichen Mienen. Einem Kind, das Erdbeeren im Wald suchte, hat es schon einmal zwei Taler geschenkt. Die Kirche von Ur-Nagold ist die Mutterkirche für die ganze Umgegend und liegt einsam mitten im Tannenwald.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
