<<< vorherige Sage | Kapitel 1 | nächste Sage >>>
Das Fräulein auf Waseneck
Mündliche Überlieferung aus Oberndorf
In der Nähe der Burg Waseneck bei Altoberndorf sieht man in der Adventszeit oft Lichter. Auch wird man dort leicht von Geistern irre geführt. Einst weidete dort ein zwölfjähriger Knabe aus Altoberndorf zwei Kühe und guckte, während er zwischen den Ruinen umherwandelte, in den Keller. Da erblickte er drin einen schwarzen Pudel und daneben ein schönes Fräulein, das ihm winkte. Er trat näher und sah mit Schrecken, dass das Fräulein keinen Kopf hatte, ging dann heim und erzählte, was ihm begegnet war. Darauf besuchte der Pfarrer am anderen Tag den Keller und fand an der Stelle, wo der Knabe den Pudel und das Fräulein gesehen hatte, eine Hagebuttenhecke. Der Knabe aber starb nach drei Tagen.
Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852
