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sagen:sagenschwaben012

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Das unterirdische Fräulein

  Eine mündliche Überlieferung aus Eybach

Es wollten einmal mehrere Burschen auf eine Höhe bei Eybach steigen. Da gesellte sich zu ihnen auch ein ganz armer Knabe und wollte mit. Die Burschen aber wiesen ihn zurück, es sei denn, dass er oben auf der Anhöhe in die Höhle schlupfen wolle, in welcher unterirdische Männer wohnen sollten. Der Knabe verstand sich endlich dazu. Und als sie nun bei der Höhle ankamen, banden sie alle Tücher, die sie hatten, zusammen und ließen den Knaben an diesem Seil hinab.

Wie der Knabe drunten sich umsah, so war dort ein Fräulein, ein Hund und mehrere kleine Männlein.

Das Fräulein aber hub an und sprach zu dem Knaben: »Weil deine Armut dich hierher geführt hat, so nimm dir, da von dem, so viel du willst!« Und bei diesen Worten zeigte sie ihm einen Haufen Spreu, von der steckte der Knabe so viel ein, als seine Taschen fassen konnten.

Nicht lange danach zogen ihn seine Kameraden wieder herauf. Da war plötzlich die Spreu in schweres, blankes Gold verwandelt. Als dies die anderen sahen und erfuhren, wie er es bekommen hatte, da rief einer, der ein reicher Geizhals war: »Jetzt lasst mich auch hinab! Potz tausend, ich will einen ganzen Sack voll mitbringen!« Und sogleich wurde er von seinen Kameraden in die Höhle hinabgelassen. Als sie aber später ihn wieder heraufzuziehen meinten, so hing an dem Seil statt seiner ein Geißfuß, und den Burschen selbst hat kein Mensch wieder zu Gesicht bekommen.

Quelle: Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, gesammelt von Dr. Ernst Meier, Stuttgart, Verlag der J. B. Metzler'schen Buchhandlung, 1852


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